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Wie sich schnell für Diane herausstellte, befand sie sich keineswegs auf einem Raumschiff, aus den Unterlagen, die sich auf dem Bordcomputer befanden, ging hervor, dass dies „nur“ eine Landefähre war. Aber immerhin, Diane war zufrieden. Der Pilot dieses Gefährts war jetzt schon seit geraumer  Zeit verschwunden, so konnte sie in aller Ruhe jeden Winkel inspizieren. Natürlich hatte sie vorher noch nach Überwachungskameras gesucht, doch hatte sie keine gefunden. Höchstwahrscheinlich lohnte es sich nicht für eine banale Landefähre. Sie kramte eine kleine, sehr hoch auflösende Kamera aus ihrem Rucksack und fotografierte jeden Winkel und jedes Gerät in der Landefähre. Wichtig waren vor allem die Gerätebezeichnungen. So konnte Hamptons die Hersteller direkt kontaktieren und sie dazu überreden, ihm gegen ein gewissen Entgelt die Geräte zu liefern. Zu ihrem Bedauern waren die meisten Geräte fest in die Landefähre eingebaut, so dass sie nichts einstecken konnte. „Das wäre zu schön gewesen“, murmelte Diane vor sich hin. Kurz darauf kramte sie ein kleines Handy aus ihrer Hosentasche, eigentlich war es mehr als ein Handy, ein Organizer, der Internetzugang hatte und mit dem sie sogar Videokonferenzen führen konnte. Sie knipste das kleine Gerät ein und stellte einen verschlüsselten Kontakt zur Zentrale her. Sie hatte hierbei keine Bedenken, denn sie wusste, dass auch die Gespräche der Weltraumorganisationen verschlüsselt waren, so würde ihr Gespräch gar nicht auffallen. Auf dem Gerät flackerte der Monitor kurz, dann tauchte das Gesicht des Zentralleiters Gerald auf. „Hey Dee, was gibt’s?“ fragte er mit seinem französischem Akzent. Diane musste stets schmunzeln, wenn er mit ihr sprach. „Ich hab brandheiße Bilder aus der Landefähre“, antowrtete sie und schickte sie dann gleichzeitig an Gerald weiter. Es war wichtig, neue Informationen sofort weiterzuleiten, denn sollte ihr etwas passieren, so sollten die Informationen nicht verloren gehen. Diese Umgangsweise war schon unmenschlich, doch Diane kam damit klar. „Spitze, die Bilder sind sehr gut“, lobte Gerald sie und beendete damit das Gespräch.

Für Dee, das war ihr Special Agent Name, gab es hier drin nichts mehr zu tun. Die Special Agents redeten sich nie mit ihrem richtigen Namen an, denn sollten die Gespräche entschlüsselt werden, so sollten die Identitäten geheim bleiben. Ein wenig hing auch ihr Leben von der Geheimhaltung ihrer Identität ab. Den restlichen Tag verbrachte Dee damit, lautlos und verborgen durch das Flughafenzentrum zu schleichen und so viele Informationen wie möglich zu beschaffen. Zu ihrem Pech war die ganze Anlage verkabelt, die Kameras nahmen so gut wie jeden Flur auf. In den Räumen war es besser, denn Offiziere, die etwas zu sagen hatten, wurden nicht beobachtet. Es dauerte ziemlich lange, bis sie immerhin in zwei Räume vordringen konnte. Der erste Raum war unspektakulär, es wurden dort keine wichtigen Informationen aufbewahrt. Der zweite Raum war interessanter, er gehörte einem gewissen Dexter und sie musste sich den Zugang erst durch die Eingabe eines Pin-Codes verschaffen. Für solche Fälle hatte sie ein kleines Gerät bei sich, dass an die Wand gedockt werden musste und dann technische Daten ausliest. So kam sie relativ schnell an die geheime Pin-Nummer. Nach einigem Suchen fand sie dann Unterlagen zu einem Projekt „Excalibur“, was sie interessierte. „Heute Abend“, murmelte sie leise vor sich hin, als sie einen Stempel sah, dass der Flug auf heute vorverlegt wurden war. Eigentlich sollte erst in einer Woche stattfinden. Sie überflog die Daten des Projektes und fotografierte einige Seiten mit den wichtigsten Informationen, dann verließ sie den Raum wieder, denn den Start des Raumschiffes durfte sie nicht verpassen. Leider stand keine Uhrzeit dabei, wann das Raumschiff abheben würde, deshalb war Eile angesagt. Ist es erstmal abgehoben, so wäre es für sie zu spät. Eilig und bemüht, unsichtbar vor den Kameras zu bleiben, bahnte sie sich den Weg zur Raumstation. Eine Karte des Flughafens hatte sie sich bereits bei ihrem Einbruch in New York verschafft, so dass sie wusste, wo sich das Raumschiff befand.

Dummerweise standen ein Vorgesetzter und anscheinend der Kapitän des Raumschiffes bereits davor und waren dabei, es zu betreten. Sie beobachtete, dass hierfür eine Zugangskarte von Nöten war. Aber sie würde ohnehin warten müssen, bis der Vorgesetzte verschwinden würde, denn dann würde der Kapitän mit dem Schiff abheben. Wären zwei Personen an Bord, so wäre die Wahrscheinlichkeit höher, vorher entdeckt zu werden und das wollte sie nicht riskieren. So schickte sie Gerald eine Nachricht, dass sie gleich an Bord gehen würde, denn sie war sich ziemlich sicher, dass eine Handy-Verbindung im Weltraum nicht zu Stande kommen würde. Als sie das Handy dann wieder wegsteckte, dachte sie daran, dass sie nicht mal wusste, wie Gerald wirklich hieß. Er war Franzose und hatte einen typisch französischen Namen erhalten. Sehr klischeehaft, wie sie fand.

Nachdem Dee beobachtet hatte, wie der Vorgesetzte das Schiff verlassen hatte, sah sie ihre Stunde kommen. Sie verließ ihr sicheres Versteck und huschte durch die noch offen stehende Luke. Das Innere des Raumschiffes war enorm, riesiger als sie es sich vorgestellt hatte. Sie sah, dass der Kapitän damit beschäftigt war, das Schiff zu begutachten und sie nutzte derweil die Chance und verkroch sie so leise wie möglich in einen kleinen Raum, der sich zu ihrer rechten Seite befand. Der Kapitän konnte hier von seiner aktuellen Position nicht herein sehen und sie könnte kurz ihr Equipment durchchecken.

18.6.09 22:12
 
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