03

Als Melvin vor Silvias Tür stand, war seine Kleidung schon leicht verschwitzt. Er hatte sich im Flugzeug umgezogen und trug nun eine kurze Stoffhose und ein gelbes Hemd. In der spiegelnden Scheibe der Haustür sah er sein Gesicht und erschrak ein wenig, weil er es nicht gewohnt war, eine Sonnenbrille darin zu sehen. Er klingelte. Es war ein schönes Haus, weiß gestrichen und mit einem roten Ziegeldach. Hinter der Scheibe bewegte sich etwas. Dann wurde die Tür geöffnet. „Silvia!“, rief er freudestrahlend. „Oh, hallo Melvin.“, sagte sie. Melvin war irritiert. Er kam zurück und das einzige, was ihr einfiel war „hallo Melvin“? Nicht einmal ein „schön, dich zu sehen“? Dann fiel ihm auf, dass sie Müde wirkte. Müde und traurig. „Wir müssen reden“, sagte sie in diesem unheilvollen Ton, den er nicht ausstehen konnte. „Trifft sich gut“, versuchte er die Situation zu entschärfen. „Ich wollte dir auch etwas mitteilen“. Sie sah ihn traurig an und sagte: „Du verstehst nicht, es ist egal, was du zu sagen hast. Ich halte es nicht mehr aus. Ich mag dich, aber es geht nicht mehr.“. Melvins Herz setzte für einen Schlag aus. „Du willst dich von mir trennen?“, fragte er. „Ich habe beschlossen, meinen Job für dich aufzugeben, es wird alles wieder beim Alten sein!“. Sie wirkte überrascht, schüttelte aber dennoch den Kopf. „Nein, du verstehst es nicht. Ständig bist du unterwegs, ständig diese Geheimnisse, die Regierung, die Außerirdischen - weiß Gott wie die noch hießen - , über all das darfst du mit mir nicht reden! Wir sollten keine Geheimnisse voreinander haben, aber wir müssen es. Das wird auch nicht aufhören, wenn du einen anderen Job hast. Du unterliegst einer vertraglichen Schweigepflicht!“.

Melvins Kopf war plötzlich leer. Er konnte nicht mehr klar denken. „Du beendest unsere Beziehung einfach so? Nach allem, was wir zusammen erlebt haben?“, fragte er. Ihm zog sich der Magen zusammen. „Melvin, falls es dir noch nicht aufgefallen ist hatten wir nie eine richtige Beziehung. Du hättest mir rechtzeitig den Hof machen können, aber dazu ist es jetzt zu spät.“.


Er war wie betäubt gewesen, als er wieder auf der Straße stand, noch immer mit seinem Koffer in der Hand. Nun saß er wieder im Flugzeug, noch immer wie betäubt, noch immer in Gedanken, doch in ihm hatte sich ein Gedanke gefestigt. Er musste ohnehin über die Trennung hinwegkommen. Also konnte er sich ebenso gut wieder nützlich machen. In Cape Caneveral angekommen meldete er sich bei General Dexter. „Johansson, schon wieder zurück? Ich dachte, sie genießen Ihre Woche Urlaub“. Melvin stützte sich auf den Schreibtisch seines Vorgesetzten und sagte: „Welches Schiff werde ich bekommen, Sir?“. „Welches Schiff?“, fragte dieser irritiert. „Ich werde meinen Dienst sofort wieder aufnehmen und das neue Schiff gleich inspizieren!“. Auf dem Gesicht des Generals zeichnete sich ein Grinsen ab. „Ganz der Draufgänger, Johansson. Das gefällt mir! Das Schiff kennen Sie noch nicht. Es ist ganz neu und heißt Excalibur. Kommen Sie, es ist noch nicht vom Stapel gelaufen. Es wird erst in ein paar Tagen in den Orbit gehen, noch steht es hier auf dem Gelände.“. Melvin folgte dem dicken General, auf dessen Glatze sich das Licht der Bürolampe spiegelte.

Als er aus der Ferne das silbrige Metall sah, in dem sich die untergehende Sonne spiegelte, blieb ihm fast die Luft weg. „Habe ich Ihnen zu viel versprochen?“, fragte Dexter stolz. „Das ist die Excalibur, Ihr Schiff, die Regierungen haben besondere Mittel für diese Mission lockergemacht, aber sehen Sie es sich erst einmal an, über die Details informiere ich sie morgen“. Der General machte kehrt und ließ den immernoch beeindruckten Melvin stehen. Als dieser sich wieder gefasst hatte, zog er seine Zugangskarte und öffnete die Luke, um das Schiff zu betreten.

18.6.09 21:13
 
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