06

Dee's Herzschlag beschleunigte sich merklich, als der Kapitän des Schiffes sich in aller Ruhe auf seinem anscheinend neuen Schiff umsah. Sie durfte auf keinen Fall entdeckt werden, jedenfalls noch nicht jetzt. Wenn sie erstmal gestartet wären, dann wäre es egal, dann würde sie wohl kaum rausgeschmissen werden. Aufmerksam spähte sie durch den Spalt der Tür, der sie von dem restlichen Raumschiff trennte. Der Kapitätn war immer noch dabei, das Schiff zu inspizieren, als er sehr plötzlich eine Nachricht bekam, dass er sofort zu starten hätte, da sich ein Eindringling auf dem Gelände befand. Am liebsten hätte Dee lauft geflucht, doch der Zeitpunkt dazu war unpassend. So verkniff sie sich das Fluchen und spähte weiterhin durch die Tür. Von hier aus konnte sie beobachten, wie der Kapitän, der sichtlich verwirrt war, das Schiff startete. Sie atmete auf. Sie war an Bord und außer ihr war nur noch der Kapitän anwesend, keine Crew, die ihr Schwierigkeiten bereiten könnte. Es hätte kaum besser laufen können. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie lehnte sich eine Sekunde zurück. Unglücklicherweise hatte sie keinen weiteren Plan im Kopf. Sie hatte sich zu sehr darauf konzentriert, an Bord zu gelangen, dass sie vergessen hatte, was sie machen würde, wenn sie es geschafft hatte.

Sie griff nach ihrem Handy und starrte auf das kleine Display. Kein Empfang. Sie schüttelte den Kopf und steckte es darauf wieder weg. Es war ja klar, dass es hier keinen Empfang für Handys gab. Sie lehnte sich nun an die Wand des kleinen Raumes und sah sich um. Interessante Dinge gab es hier nicht, anscheinend war es ein Lagerraum. Hier und dort stapelten sich Dinge wie verpackte Lebensmittel oder Werkzeuge. Technische Geräte, die sie hätte einstecken könnte, befanden sich hier nicht. Ein Seufzen musste sie unterdrücken. Um also an für sie interessante Sachen zu gelangen, musste sie wohl oder übel diesen Raum verlassen. Aber wenn sie dies täte, so würde sie zwangsläufig dem Kapitän in die Arme laufen. Ob er wohl das Raumschiff sofort zur Erde zurückkehren lassen könnte? Dann wäre sie wohl geliefert. Eine dumme Idee! Sie hatte nicht vorgehabt, sofort verhaftet zu werden. Sie fragte sich kurz, wie viele Jahre sie wohl hinter Gittern verbringen müsste, dafür, hier eingebrochen zu sein. Es frustrierte sie und so schob sie diesen Gedanken beiseite. Wenn sie doch nur sehen könnte, ob sie schon aus der Atmosphäre ausgetreten waren. Nur ein gleichmäßiges Brummen war zu vernehmen.

Bevor sie weiter nachdenken konnte, spürte sie ein heftiges Ruckeln, was sie sogleich von den Beinen riss und sie zu Boden schleuderte. Der Fall wurde mit einem Krachen unterlegt, als sie samt Rucksack aufschlug. „Verdammte Scheiße“, fluchte sie und rappelte sich wieder auf. Spätestens jetzt würde der Kapitän auf sie aufmerksam werden. „Na dann“, wisperte sie und stellte sich mit geballten Fäusten nahe des Türspalts. Kampflos würde sie sich nicht geschlagen geben.

6.8.09 11:21


07

 „Ein Eindringling...“, dachte Melvin. Er überlegte, was den Kerl wohl erwarten würde, wenn sie ihn fassten. Eines war klar, er musste auf die eine oder andere Art und Weise zum Schweigen gebracht werden. Eine Möglichkeit war lebenslange Haft, jedoch war dies immer schwer am Gesetz festzumachen. Meistens wurden die besagten Personen, die wirklich etwas wussten, auf andere Planeten umgesiedelt. Dann unterbrach ein Ruck, der durch das Raumschiff fuhr, seine Überlegungen. Es folgte ein Geräusch, welches er fast als menschlichen Laut eingeordnet hätte. Aber das konnte nicht sein, es sei denn - er sah auf einen der Bildschirme, um sich zu vergewissern, dass keine Funkverbindung geöffnet war, aber der Bildschirm zeigte nur das Logo der Raumfahrtbehörde. „Ich muss mich geirrt haben“, dachte er. „Außer mir ist niemand auf diesem Schiff“. Dann dämmerte es ihm. Was, wenn der Eindringling, von dem Dexter gesprochen hatte, sich auf dem Schiff befinden sollte? Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Er wusste, dass er jetzt eigentlich Meldung machen sollte, um mit seinem Vorgesetzten das weitere Vorgehen zu besprechen. Dennoch stand er auf, in der Hoffnung, seine Theorie widerlegen zu können. Während seiner Ausbildung hatte man ihn auf Situationen vorbereitet, in denen Eindringlinge das Schiff infiltrierten, allerdings hatte es nie Situationen gegeben, in denen er alleine war. Er hatte immer eine Crew an seiner Seite gehabt. Er ging zu einer Schalttafel an der Wand und drückte ein paar Knöpfe. Dann wurde er aufgefordert, seinen persönlichen Sicherheitscode einzugeben. Das war Teil der Standardprotokolle bei Eindringlingsalarm, die einzelnen Decks des Schiffes wurden abgeriegelt, um den Schaden zu begrenzen. Er glaubte zwar nicht wirklich, dass da etwas war, andererseits hatte er ja wirklich etwas gehört. Sicher war sicher. Jetzt konnte nur noch er die Abschottung mit seinem Sicherheitscode wieder aufheben. Er hörte, wie sich auf allen sechs Decks des Schiffes die Druckschleusen schlossen. Es folgte eine Bestätigung des Bordcomputers „Deckabschottung erfolgt!“. Dann öffnete er mit der erneuten Eingabe seines Sicherheitscodes eine Klappe an der Wand und nahm eine silbrig glänzende Handfeuerwaffe heraus. Das war die Standardbewaffnung für Weltraumeinsätze, wenngleich es sich hier um ein neues Modell handelte. Melvin spekulierte, dass es sich um eine Flash63 handeln musste, eine Strahlenwaffe, welche dem Opfer durch einen bläulichen Strahl Schocks versetzte. Er stellte die Feuerkraft auf ein Drittel. Das dürfte reichen, um jeden menschlichen Eindringling für zehn Minuten zu betäuben. Bei voller Feuerkraft würde er wahrscheinlich selbst ein Nashorn damit verkohlen. Mit der Waffe in der Hand fühlte er sich schon wesentlich wohler. Er war schon immer ein miserabler Nahkämpfer gewesen. Dies gehörte zwar zur Ausbildung, aber es gab ja Methoden und Wege, unangenehme Dinge zu umgehen. Manchmal verfluchte er seine Faulheit. Er trat durch die Tür. Sofort darauf spürte er einen starken Schmerz an seiner Schläfe, dann wurde alles um ihn herum schwarz.
23.8.09 07:25


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