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Das Innere des Schiffs hätte Melvin die Sprache verschlagen, hätte er sie schon wiedergefunden gehabt. Sein altes Schiff war im Vergleich dazu eine rostige Konserve mit Cockpit. Der Gang, auf dem er sich befand, war mit verchromten Metallplatten ausgelegt, welche an den Seiten mit leicht blauen Leuchtstoffröhren erhellt wurden. Er sah an den Wänden entlang. In regelmäßigen Abständen befanden sich dort Terminals, welche wohl zum Kommunikations- und Lautsprechersystem des Schiffes gehörten. Zu seiner Rechten befand sich eine Tür. Auf Augenhöhe war dort ein gelber Streifen mit dem Emblem der Raumfahrtsbehörde aufgedruckt. Neben dem Emblem stand „Lagerraum 3“. „Hmm, uninteressant“, dachte Melvin und wandte sich nach links. Er ging zu einem der Terminals und ließ sich die Position der Kommandobrücke anzeigen. Es sah nicht weit aus, doch als er endlich dort ankam, musste er feststellen, dass dieses neue Schiff, die Excalibur, nicht nur besser ausgestattet, sondern auch um einiges größer war, als alles, was er in seiner Laufbahn gesehen hatte und das sollte schon etwas heißen. Immerhin hatte er schon einmal in einem Jäger der Kebras gesessen, einer außerirdische Kriegerspezies, welche durchschnittlich über drei Meter groß wurde. Dementsprechend groß waren auch ihre Schiffe. Der Kommandostand, der sich halbrund vor ihm erstreckte bestand aus zwei Pilotensitzen und einer Reihe Konsolen und Steuereinhaiten, welche an der Rückwand montiert waren. An der Front befanden sich mehrere gewölbte Scheiben, welche die Sicht für die Piloten ermöglichte. Vor diesen Scheiben befanden sich holografische Projektoren, zu erkennen an der seltsamen Oberflächenstruktur. Sie dienten dazu, Dinge im Sichtfeld der Crew hervorzuheben, taktische Ziele anzuvisieren und farbig zu markieren, oder Dinge außerhalb des Sichtfeldes anzuzeigen. Auch diesen Luxus hatte es auf Melvins altem Schiff nicht gegeben. Sie hatten mit einem Bildschirm vorlieb nehmen müssen, welcher jedoch bei geringem Strahlungsanstieg ausfiel oder keine klare Anzeige machen konnte und die Piloten so blind fliegen mussten.
Auf einem Bildschirm an der rechten Seite leuchtete aus einmal ein oranges Symbol auf. Der Computer meldete sich mit einer sympathischen Frauenstimme: „Eingehendes Gespräch für Captain Johansson!“. „Warum eigentlich immer Frauenstimmen?“, dachte Melvin und drückte auf einen Knopf, um das Gespräch anzunehmen. Das mit der Stimme würde er noch umstellen müssen. Sie erinnerte ihn auf eine unangenehme Art und Weise an Sylvia. Auf dem Bildschirm erschien der kahle Kopf von General Dexter. „Captain, keine Zeit für Erklärungen, starten Sie die Maschinen!“. „Wie bitte, was ist mit der Missionsbesprechung, wo ist meine Crew und was ist hier eigentlich los?“. Der General wurde etwas ruhiger. „Wir haben Sicherheitsalarm Stufe drei, wir haben einen Eindringling. Sie müssen sofort starten. Das Projekt Exkalibur unterliegt strengster Geheimhaltung! Auf Ihre Crew können wir nicht warten, sie wird morgen mit einer Fähre zu ihnen hochgebracht, gehen Sie in den Orbit!. Melvin nickte, um zu signalisieren, dass er verstanden hatte, er drehte sich zur Hauptsteuerungskonsole und ließ mit einer Kombination von Tastendrücken die Maschinen starten. Er hörte sie leise aufheulen und langsam stellte sich ein gleichmäßiges Brummen ein. Er wandte sich wieder zum General: „Ist der Hitzeschild komplett montiert?“, fragte er. „Ja, ist er, für den Austritt aus der Atmosphäre wird es locker reichen, aber ein Wiedereintritt wäre kritisch, also bleiben Sie da oben“. Das Gespräch war beendet. Melvin sah durch das Fenster, wie sich der Boden langsam von ihm entfernte. Der Kurs für den Atmosphärenaustritt war vorprogrammiert. So überstürzt hatte es noch keinen Jungfernflug gegeben, dachte er, während er beobachtete, wie aus den Punkten unter ihm langsam Flächen wurden und aus den Flächen wieder Punkte. Dann sah er nur noch blau, dann schwarz und schließlich konnte er die Erde unter sich sehen und wie sie von der schimmernd blauen Hemisphäre umhüllt wurde.
31.7.09 15:12


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